Verständnis für künstlerisches Schrifttum
Lyrische Werke begleiten unseren Alltag ohne aufzufallen und trotzdem omnipräsent. Die großen Hits des Medienbetriebes, das sind die prosaischen Arbeiten und deren Verfilmungen. Aber wer schon morgens Radio hört, irgendwann in ein Shoppingcenter einkaufen geht oder durch eine Fußgängerzone spaziert … er wird Poesie hören: als Songtexte.
Und zudem … die wichtigen Termine unseres Lebens sind einhergehend mit Glückwunschkarten oder Versen bei Festreden - noch betont durch die Dichtkunst, über ein paar Zeilen, die sich in Reim oder frei, gleichförmig vermittel sollen.
Wir erinnern uns oftmals genug an die unbeliebten Vielzeiler, die wir in Schulzeiten auswendig lernen und dann vor der gesamten Schulklasse oder auch im Familienkreis aufsagen mussten. Derartige Werke haben vielleicht eben darum eine fragwürdige Akzeptanz in unser Verständnis für künstlerisches Schrifttum gesengt. Da sind einerseits die Erinnerungen an Zwänge, an eintönige und grausame Stunden der Auseinandersetzung mit Wendungen, jene einem als unreife Zöglinge nicht viel sagten - und zum anderen hat später doch der eine oder andere seine ersten eigenen schöpferischen Erfahrungen mit einem poetischen Werk gemacht: ein Scherzspruch auf einen unbeliebten Lehrer, wenige Worte zur Feier eines Mitschülers, ein romantisches Herzensbekenntnis gar?
